Sportforum im Wahlkampf!
Es ist Wahlkampf, und wir reden nicht von großen Meeressäugern, die am Strand verenden und sich ihr Schicksal nicht ausgesucht haben! Spaß beiseite.
Die Fanszene des BFC Dynamo hat über das Fanprojekt die Parteien vor der Wahl gefragt, wie sie zur Zukunft des Sportforums stehen. Befragt wurden SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, CDU und AfD. Angeschrieben wurden jeweils die sportpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der jeweiligen Landesverbände. Alle Parteien erhielten dieselben fünf Fragen mit der Bitte, diese kurz zu beantworten, um eine möglichst gute Vergleichbarkeit der Positionen zu ermöglichen. Wir sehen dies ganz ausdrücklich nicht als Wahlempfehlung für eine bestimmte Partei! Vielmehr verstehen wir die Antworten als Wegweiser dafür, wie die Berliner Politik die Zukunft unseres Stadions im Sportforum und die Rolle des BFC Dynamo darin sieht. Alle Antworten werden eins zu eins so wiedergegeben, wie sie uns zugesendet wurden.
1. Unterstützt Ihre Partei den Erhalt des historischen Stadionstandortes im Sportforum Berlin?
Die Linke: Wir verstehen die große emotionale Bedeutung des historischen Standorts für die Fans des BFC Dynamo. Gleichzeitig steht Die Linke Berlin hinter der Entwicklung des Sportforums zum „Herz des Berliner Leistungssports“. Wir befürworten die Umsetzung des beschlossenen Masterplans, in dem der Verein seine herausragende Jugend- und Trainingsarbeit realisieren soll. Wir unterstützen den dort vorgesehenen Neubau eines Multifunktionsstadions (bis zu 3.600 Plätze). Unser Ziel ist eine zukunftsfähige Infrastruktur, die den Bedürfnissen aller ansässigen Vereine gerecht wird, ohne das Areal einseitig auf den Profifußball auszurichten.
CDU: Ja, ausdrücklich. Das Sportforum Hohenschönhausen ist die Heimat des BFC Dynamo und das soll so bleiben. Historisch gewachsene Sportstandorte gehören zur Identität dieser Stadt. Die CDU Berlin steht klar zum Erhalt dieses Standortes.
AfD: Unsere Partei unterstützt den Erhalt des historischen Stadionstandortes im Sportforum Berlin, wie wir uns auch generell für den Erhalt aller Sportflächen und Angebote einsetzen. So lehnen wir als einzige Partei die Umwidmung von Sportflächen, ohne ausreichenden und sofortigen Ersatz, ab.
Die Grünen: Das Sportforum ist einer der wichtigsten Sportstandorte Berlins. Gleichzeitig ist der bauliche Zustand teils desaströs. Deswegen muss es Priorität haben, das Sportforum zu sanieren und gezielt weiterzuentwickeln. Der Masterplan des Senats macht hierfür entsprechende Vorschläge und Vorgaben. Gleichzeitig ist die Frage des Standortes eines Fußballstadions im zukünftigen Sportforum weiterhin strittig. Wir kritisieren, dass seitens des CDU-SPD-Senats hier keine klare Linie verfolgt wird, die mit dem Verein abgestimmt ist. Unsere Forderung ist, dass gemeinsam mit dem Verein eine finanzierbare und für alle Seiten tragbare Lösung im Rahmen einer Weiterentwicklung des Sportforums gefunden werden muss.
SPD: Das Stadion ist und bleibt Teil des Sportforums Hohenschönhausen. Im Moment investiert das Land Berlin, den Spielort für die Regionalliga zu erhalten und nutzbarer zu machen. Dazu gehört nach Absprache mit dem BFC vor allem, die Stromversorgung zu verbessern.
2. Befürwortet Ihre Partei den Ausbau des Stadions zu einer drittligatauglichen Spielstätte?
Die Linke: Wir teilen den Wunsch nach professionellen Spielstätten und verstehen den aktuellen Frust über unerfüllte Versprechen voll und ganz. Leider hat die Machbarkeitsstudie klar gezeigt, dass ein drittligatauglicher Ausbau am Standort Sportforum aufgrund zu hoher Kosten schlichtweg nicht möglich ist. Der Masterplan sieht hier stattdessen ein Multifunktionsstadion für den Breitensport vor. Für den höherklassigen Spielbetrieb des BFC in der 3. Liga ist daher der inklusiv neu gebaute Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark zukünftig die realistische und letztlich alternativlose Lösung.
CDU: Ja, die CDU Berlin hat das bereits im Koalitionsvertrag 2023 verankert und erneut ins Wahlprogramm aufgenommen. Wir setzen auf Ertüchtigung im Bestand, ohne Neubau und ohne andere Vereine zu verdrängen. Die Umsetzung erfordert jedoch eine enge Abstimmung mit allen Beteiligten am Standort, einschließlich des Olympiastützpunkts.
AfD: Aus Gründen des Berliner Haushaltes muss genau abgewogen werden, ob ein Ausbau des Stadions Priorität hat. Es immer immer sinnvoll weiteres Stadion drittligatauglich zu machen, aber die ehemalige Spielstädte des BFC Dynamo, das Stadion an der Cantianstraße, wird gerade neu gebaut. Wir gehen davon aus, dass dann der BFC Dynamo wieder dort spielen wird.
Die Grünen: Wenn es finanziell darstellbar ist, dann ist auch ein Ausbau des Stadions entsprechend den Kriterien für den Drittliga-Betrieb im Fußball denkbar.
3. Falls ja: Welche konkreten Maßnahmen wird Ihre Partei in der kommenden Legislaturperiode ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen?
Die Linke: Nach Jahren falscher Versprechungen braucht der BFC Dynamo jetzt vor allem eines: echte Transparenz und verlässliche Planungssicherheit. Dafür werden wir den bedarfsgerechten Neubau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks als Profi-Spielstätte konsequent begleiten. Gleichzeitig fordern wir für das Sportforum die Umsetzung des Masterplans und die finanzielle Absicherung der dortigen Sportbauten, damit der Verein für seinen Nachwuchs und den Trainingsbetrieb endlich die dringend benötigte, moderne Infrastruktur erhält.
CDU: Wir werden den Masterplan Sportforum so anpassen, dass die Ertüchtigung des Stadions für die 3. Liga möglich wird. CDU-Abgeordnete wie Danny Freymark, Professor Martin Pätzold und Stephan Standfuß setzen sich seit Jahren aktiv für dieses Projekt ein. Wir favorisieren eine kosteneffiziente Ertüchtigung im Bestand gegenüber einem teuren Neubau, denn im niedrigen zweistelligen Millionenbereich sollte das realisierbar sein. Die Umsetzung hängt von mehreren Akteuren ab und braucht Zeit, aber wir werden die Planungs- und Genehmigungsprozesse aktiv vorantreiben.
AfD: Wie schon im Pkt. 2. beschrieben, muss erst einmal abgewartet werden, wie schnell das neue Drittligastadion fertig ist. Wir werden aber darauf achten, dass die Terminvorgaben eingehalten werden und somit der BFC Dynamo ein neues hervorragendes und behindertentaugliches Stadion bekommt.
Die Grünen: Es braucht möglichst schnell eine gemeinsame Runde aller beteiligten Akteure (Vereine, Sportverbände, Verwaltung, Politik), die grundsätzlich die nächsten Schritte auf dem Areal des Sportforums miteinander abstimmen. Dazu gehört auch, abschließend den Stadionstandort verbindlich festzulegen. Außerdem ist zu analysieren, welche Verzögerungen es aufgrund finanzieller Herausforderungen gibt und was das für die schrittweise Umsetzung des Masterplans bedeutet und was das für das bisherige Stadion und eine Weiternutzung heißt.
SPD: SPD und CDU haben in der zu Ende gehenden Wahlperiode eine Vielzahl von Gesprächen mit den Vertretern des BFC Dynamo geführt. Im Ergebnis ist untersucht worden, auf welchen Wegen ein Drittliga-Stadion im Sportforum Hohenschönhausen realisiert werden könnte. Der Senat hat dazu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die auch im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses vorgestellt wurde. Ein Umbau des bestehenden Stadions würde demnach deutlich über 60 Millionen Euro kosten, ein Neubau des Stadions in gleicher Größenordnung über 80 Millionen Euro. Das ist wirtschaftlich derzeit nicht darstellbar. Es liegt auch deutlich über dem Betrag von 5-10 Millionen Euro, mit dem Vertreter des BFC kalkuliert hatten. (Antwort auf Frage 2. und 3.)
4. Welche Priorität hat das Stadionprojekt für Ihre Partei innerhalb der Berliner Sportpolitik?
Die Linke: Die ganzheitliche Modernisierung des Sportforums hat für uns höchste Priorität – als nachhaltiger Gegenentwurf zu olympischer Gigantomanie. Wir bitten um Verständnis, dass ein exklusives Stadionprojekt für den professionellen Herrenfußball für uns keine vorrangige Priorität gegenüber anderen drängenden Aufgaben haben kann. Die Sanierung maroder Schulsportanlagen, der Erhalt von Schwimmbädern oder die Förderung von Inklusion und Frauen im Sport sind für uns zentral. Berliner Sportpolitik muss die gesamte Vielfalt fördern und Investitionen tätigen, die allen zugutekommen.
CDU: Der Berliner Fußball verdient eine Infrastruktur, die seinen Ambitionen gerecht wird. Der BFC Dynamo ist ein wichtiger Teil der Berliner Sportlandschaft und braucht ein Stadion, das das auch zeigt.
AfD: Das drittligataugliche Stadion, egal in welcher Form und letztendlich wo zustandekommt, hat für uns die gleiche Priorität wie alle anderen wichtigen Sportbereiche (z.B. Schwimmen, Sportflächen, Instandsetzung, etc.).
Die Grünen: Heute sind viele Sportstätten sanierungsbedürftig oder gesperrt, Schwimmbäder sind nicht überall nutzbar. Deswegen ist eine unserer Prioritäten, den Sanierungsstau möglichst schnell abzubauen. Wir wollen die Sportstätten inklusiv, multifunktional, ökologisch und nachhaltig sanieren bzw. wo nötig neu bauen. Auch das Sportforum spielt hierbei als einer der wichtigsten Sportstandorte Berlin eine wichtige Rolle. Darüber hinaus wollen wir insbesondere den Breitensport fördern und unterstützen.
SPD: Am Standort Sportforum ist unsere Priorität, die Nutzbarkeit für den Regionalliga-Fußball zu erhalten. Bis 2028 entsteht im Jahn-Sportpark der Neubau eines modernen Stadions. Dieses Stadion würde dem BFC Dynamo in der dritten Liga zur Verfügung stehen. Es ist der historische Standort der großen Erfolge.
5. Welche Botschaft möchten Sie den Fans des BFC Dynamo zu diesem Thema mitgeben?
Die Linke: Liebe Fans des BFC Dynamo, wir verstehen Euren Frust über gebrochene Zusagen der Koalition und den verständlichen Wunsch nach einer festen Heimat in Hohenschönhausen. Wir wollen Euch keine falschen Versprechungen machen. Die Realität ist: Der drittligataugliche Ausbau im Sportforum ist nicht finanzierbar. Der Jahnsportpark ist für den Profifußball zum jetzigen Zeitpunkt der einzig realistische Weg. Wir setzen uns mit Nachdruck dafür ein, dass Ihr dort endlich verlässliche Planungssicherheit für den Aufstieg erhaltet und gleichzeitig im Sportforum modernste Bedingungen für Euren Nachwuchs entstehen.
CDU: Der BFC Dynamo ist ein Stück Berliner Sportgeschichte mit einer Fangemeinschaft, die ihrem Verein durch alle Höhen und Tiefen die Treue gehalten hat. Diese Treue verdient ein Stadion, das den Ambitionen des Vereins gerecht wird. Die CDU Berlin steht zu ihrem Versprechen: damals im Koalitionsvertrag, heute im Wahlprogramm. Der Weg dahin ist nicht einfach, aber wir werden ihn gehen.
AfD: Auf den Rückhalt der Berliner AfD können sich die Fans des BFC Dynamo zu 100% verlassen. Wir stehen voll hinter dem Ziel, den BFC Dynamo ein zukunftsträchtiges Drittligastadion zu ermöglichen und wünschen allen Beteiligten dieses hervorragenden und traditionsreichen Fussballvereins viel Erfolg und einen schnellen Aufstieg.
Die Grünen: Für gute Voraussetzungen im Sport braucht es eine verlässliche Sportpolitik, die Vereine unterstützt, Sportstätten erhält und notwendige Investitionen ermöglicht. Dazu gehört auch, gemeinsam tragfähige Perspektiven für das Sportforum und den BFC Dynamo zu entwickeln. Deshalb unsere Botschaft an alle Fans: Bringen Sie sich ein, machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch und wählen Sie am 20. September unbedingt demokratisch.
SPD: Vielleicht nicht jedes Wahlkampfversprechen, das nicht einmal seriös durchgerechnet wurde, zu glauben – auch wenn es gut gemeint sein mag. Eine Investition in Höhe von 80 Millionen Euro ist für den Landeshaushalt nicht aus der Portokasse finanzierbar. Eine solche ist bei langfristigen sportlichen Erfolgen sicher nicht unmöglich, im Vorgriff darauf aber nicht realistisch. Das hat die SPD im Übrigen auch stets so vertreten.